Wenn Sie Spiel und Spieler gleichzeitig sind!

Bindung und Fixierungen sind einer der häufigsten Gründe bei diversen Verhaltensproblemen, auch bei Verpaarung oder Vergesellschaftungen dieser intelligenten und konservativen Vögel.

Da die meisten dieser Vögel von Menschen  handaufgezogen wurden, liegen gerade hier die ersten Prägungen und Fixierungen in dieser Aufzuchtsphase. Fehlprägungen und Sozialisationsstörungen sind hier leider auch häufig anzutreffen und wir müssen uns als Papageienhalter dieser Tatsache offen und ehrlich stellen!
Erfreulich dass es auch seriöse und kompetent Züchter gibt, die für eine entsprechende Sozialisierung in der Gruppe und Gemeinschaft Sorge tragen. Die Sozialisierung ist einfach wichtig, sonst nimmt eine "Kulturierung" dieser Vögel oft bizarre Formen an.

 

Wir arbeiten seit 3 Jahrzehnten mit dem von uns entwickelten „Pendeleffekt“. Es ist das Spiel von Distanz und Nähe, denn Letzteres wird erst durch Distanz schön und angenehm!
Es hat seine besondere Bedeutung bei kulturierten Papageien.
So bezeichnen wir Vögel, die bereits eine ausgeprägte Bindung an Menschen und ein gemeinsames soziales Umfeld (Habitat) haben. Hier entwickeln sich im Laufe der gemeinsamen Zeit bestimmte Abläufe, die bei diesen konservativen Vögeln schnell zu Ritualen werden und somit Abhängigkeit schaffen.
Daher warnen wir immer wieder vor Ritualen.

 

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Denn wehe wenn durch veränderte Lebenssituationen diese einmal nicht eingehalten werden können!

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Die Reaktionen als Antwort sind permanentes Schreien oder Wimmern, Eifersucht mit Aggressionen und Anflugattacken bis hin zum Rupfen der Federn. Den Papageien wird eine Liebesbeziehung angeboten, die wir als Mensch nur schwer einhalten können. Es sei denn es kommt zu einer regelrechten Versklavung des Tierhalters. Viele Tierhalter merken dabei gar nicht, dass sie längst von ihrem Vogel eingebunden sind.
Rituale entwickeln sich leicht zum Spiel und der Halter ist schnell Spiel und Spieler gleichzeitig!

Aus diesem Grund arbeiten wir weder mit Klicker noch mit einem anderen Training!

Unsere Therapie setzt im Bereich der Verhaltensbiologie an und führt weg von einer anthropozentrischen (vom Menschen aus gehende) Sichtweise seiner Beziehung zum Tier.
Da sie situationsgebunden sind, ist jeder Fall individuell und das ganze Umfeld wird bei uns mit einbezogen!
Dies beinhaltet ein verändertes Verhalten des/der Tierhalter/s, das dann zu einer Verhaltensmodifikation des/der Tiere/s führt.
Es erfolgt dabei eine sanfte, teilweise Loslösung dieser Bindung.

 

Im umgekehrten Fall, nämlich bei Dominanzaggression mit Anflug und Beißattacken, haben wir einen ähnlichen Ansatz.
Auch hier hat sich oft schon ein Ritual eingeschlichen und der Papagei wartet schon Sehn-„SÜCHTIG“ auf die Gelegenheit seine Aggression auszuleben. Besonders wenn der Tierhalter schon Angst vor dem eigenen Vogel hat.

 

 

Unter Einbeziehung vorher ausgearbeiteter Habitats-veränderungen, sowie bestimmter Außen- und Schlüsselreize, führen wir den Halter sowie den Vogel/die Vögel zu dem gewünschten Ziel.

 

Anschließend wird er zu einer veränderten und unabhängigen Beziehung zurückgeführt, die wieder Freude an der Papageienhaltung macht. Am Ende wird der Tierhalter merken, dass er durch sein Verhalten dies selbst bewirkt hat und wird Abhängigkeitsfallen in Zukunft vermeiden.

 

 

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Von Norbert Adler, Tierpsychologe.